• Lynn Blattmann

Zimt, der holzige Geschmack


Zimt ist ja bekanntlich eines der ältesten Gewürze der Welt. Die Baumrinde des Ceylon Zimtbaumes wurde offenbar im Raum China und Indien schon 200o Jahre vor Christus geschätzt. Zimt spielt in der indischen und der chinesischen Küche bis heute eine wichtige Rolle.

Bei den Europäern dauerte es etwas länger bis sie auf den Geschmack des braunen Pulvers kamen. Zwar benutzten schon die Römer Zimt, aber vor allem zum Räuchern. Daneben wurde Zimt auch als Heilmittel gegen Gicht eingesetzt. Die Europäer entdeckten erst im späten Mittelalter dass die gemahlene Rinde des Zimtbaumes im Essen vorzüglich schmeckte.

Ich kann das Zögern der Europäer verstehen, ich habe mich in der Küche meiner Mutter auch immer gefragt, wozu man die holzartigen Stengel benutzen könnte, die eher wie ein Räucherstäbchen aussahen als wie ein Gewürz. Ausserdem mochte ich schon als Kind alle Speisen nicht, auf die man Zucker und Zimt streute. Das in Ei aufgeweichte Brot des Studentenfutters wurde durch das Bestreutwerden mit Zucker und Zimt auch nicht besser und Milchreis klebte mir damals mit oder ohne Zimt und Zucker sofort den Magen zu.

Zimt für Comfort Food

Aber dann war ich einmal in Schweden. Es war zwar Sommer, aber draussen regnete es und es war ziemlich kalt. Da beschloss meine Gastgeberin, Zimtschnecken zu backen, die dort Caneel-Büllar heissen und als das beste Comfort Food gelten.

Die Zimtfüllung verlieh dem frischen, fluffigen Hefeteig Wärme und Tiefe. Zusammen mit einer Tasse Kockad Kaffe, der tatsächlich mit dem Kaffeesatz gekocht wird, ergab das die perfekte Mischung gegen mieses Wetter. Hygge pur!

Als Gewürz spielt Zimt in unseren Küchen heute eine sehr geringe Rolle, was man daran ablesen kann, dass die Gläschen mit Zimt im eigenen Küchenschrank meist schon längst abgelaufen sind, wenn wir sie mal wieder zur Hand nehmen. Ausserdem essen wir kaum noch Milchreis oder Studentenfutter oder Öpfelringli, wozu man meist Zimt und Zucker brauchte.

Auswärts konsumieren wir mehr Zimt, beispielsweise im Glühwein, der auch in der Schweiz im Winter immer beliebter wird, oder im Gewürztee (Chai Latte), oder in indischen Gerichten.

Zimt spielte in der einheimischen Küche nicht immer eine so geringe Rolle wie heute. Wer alte Kochbücher liest, staunt, wie oft Zimt früher auch bei uns verwendet wurde und zwar nicht nur in Süssgebäcken (Zimtsterne, Lebkuchen, etc.), sondern auch in Bratensaucen.

Der Geschmack von Zimt kann schlecht beschrieben werden, er ist warm, holzig, rund und angenehm. Wer sich das wohlige Gefühl von behaglichem Aufgehobensein in die Wohnung holen will, sei auf mein Rezept für Zimtschnecken verwiesen. Es findet sich hier.




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