• Lynn Blattmann

Geschichte des Kaffeetrinkens

Aktualisiert: 9. Mai



Nachdem die Türken nach der Belagerung von Wien Ende des 17. Jahrhundert wieder abgezogen waren, blieb der Kaffee zurück. Um dieses Getränk herum wurden Intstitutionen erschaffen, die unsere moderne Welt anregten und die für ein ganz spezifisches Lebensgefühl stehen: Die Kaffeehäuser.

Ein Wiener Kaffeehaus ist mehr als ein geheizter Raum für den Kaffeegenuss, es ist ein Ort fürs Zeitungslesen, fürs Reden fürs Debattieren oder auch zum Bücherschreiben. Kaffeehäuser wurden für die Geselligkeit rund um den Kaffee erfunden, es geht also dabei fast so sehr ums miteinander Reden, ums Zeitungslesen, wie ums Kaffeetrinken und Kuchenessen. Die Wiener Kaffeehäuser stehen mittlerweile sogar unter dem Schutz der Unesco, gelten sie doch heute als immaterielles Kulturerbe von Weltrang. Ein richtiges Wiener Kaffeehaus zeichnet sich aus durch eine eindrückliche Auswahl an Kaffeespezialitäten, durch das Vorhandensein von verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften und durch ein grosses Angebot an Mehlspeisen (Kuchen und Torten), die durch einen Herrn Ober serviert werden. Kaffeehäuser waren noch im 19. Jahrhundert Orte, die von Männern besonders gern und häufig frequentiert wurden. In diesen Wohnzimmern der Bohème und des Bürgertums verbreiteten sich politische Ideen ebenso wie Behaglichkeit und eine unaufgeregte Geselligkeit.

Kaffeehäuser haben sich von Wien aus auch in viele andere Städte verbreitet. Auch im Zürcher Café Odéon trafen sich Revolutionäre, Literaten und die Zürcher Prominenz nicht nur zum Kaffeetrinken, sondern vorallem zum Diskutieren, Zeitunglesen und Rauchen.


Das Café in Italien

Nicht zufällig steht das älteste Kaffeehaus Italiens in Venedig. Denn in diesem Hafen wurde der Mokka, also die Kaffeebohnen von den Schiffen aus Arabien und Afrika abgeladen und bereit gemacht für den Handel in ganz Europa. Die Italiener entwickelten später allerdings eine andere Kaffeekultur als die Österreicher. Sie tranken vornehmlich gebrühten Kaffee und sie erfanden den Espresso, einen schnellen Muntermacher, den man gut auch im Stehen und auf die Schnelle trinken konnte.

Das Café Florian ist das älteste Kaffeehaus Venedigs.


Der Muntermacher für besseres Arbeiten

Der Kaffeehandel war ein einträgliches Geschäft. Darum wurden im 19. Jahrhundert auch die Bauern und die Arbeiter an den Kaffee herangeführt. Kaffee sollte sie munter halten und den Schnapskonsum etwas eindämmen, allerdings entdeckte man in der einfacheren Bevölkerung rasch, dass der Kaffee auch mit Zucker und etwas Schnaps versetzt vorzüglich schmeckte. (Café fertig)

Die Popularität des Kaffees gefiel allerdings nicht allen. Wir übten in der Schule stundenlang den Kanon, der erst 2016 aus den Gesangsbüchern der Volksschule verschwunden ist:


C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee,

nicht für Kinder ist der Türkentrank,

schwächt die Nerven,

macht Dich blahaass und krank

sei doch kein Muselmann,

der ihn nicht lassen kann...


Aber die pädagogisch gut gemeinte Kaffeeprävention half wenig. Kaffee blieb unglaublich populär. Dabei wurde die Zubereitung und die Art des Kaffeegenusses laufend etwas variiert. Meine Grossmutter hatte als junge Frau noch gerlernt, die grünen Kaffeebohnen in der Pfanne zu rösten. In ihren Augen war dieses Können unabdingbar für eine gute Ehefrau.

Meine Mutter hat den Kaffee (Jacobs Krönung) am liebsten mit ein wenig Franck-Aroma (Zichorienbrösel) versetzt, bevor sie ihn in den Melitta-Filter gegeben hat.


"Jacobs Krönung, der mit dem Verwöhnaroma.."


Aber in den 80er Jahren war die Glanzzeit des Filterkaffees eigentlich schon vorbei. Cool war damals der Espresso. Ich habe als junge Frau lange darauf geschwört, dass der Kaffee nur aus der italienischen Cafetiera (Blubbermaschine) gut schmeckt.

Als ich etwas älter wurde, verbreiteten sich die Kaffeevollautomaten der Firma Jura und wir fanden einhellig, dass der Filterkaffee nur für ein heftiges Magenbrennen tauge.

Dennoch schmeckte der Kaffee im Restaurant immer ein wenig besser als zuhause. Dann begannen sich die Siebträgermaschinen auch in Privathaushalten zu verbreiten.

Kaffee gab es nun also als Cappuccino, Macchiato, Espresso, Lungo, Americano und natürlich als urschweizerischen Café Crème mit Kaffeerahm, eine kulinarisch nicht geglückte aber dennoch sehr erfolgreiche Erfindung der Schweizer Milchindustrie.


Nach der Jahrtausendwende brachten die Amerikaner mit der Kaffeehauskette Starbucks wieder etwas Bewegung in den Kafeemarkt. Der Kafee wurde versetzt mit unzähligen Aromazusätzen und es wurden vermehrt auch sortenreine Kaffees serviert. Wir lernten, dass der Kaffee unterschiedliche Rörstgrade haben kann und dass Arabica anders schmeckt als Robusta. Damals begann uns das Kaffeetrinken zu überfordern.

Die Kaffeebestellung wurde derart kompliziert, dass sich sogar eine Versicherung darüber lustig machte


Nach dieser kulinarischen Nacherziehung durch die Amerikaner brachte Nestlé die Nespressokapseln auf den Markt. So kam die Kaffeevielfalt von Nespresso zu uns nachhause und mit anderen (Diebstahlsicherheit) Kapseln auch ins Büro.

Vor einigen Jahren gingen wir noch einen Schritt weiter. Coole Arbeitgeber stellten ihren Bürolisten teure Siebträgermaschinen als Anreiz für noch besseres Arbeiten zur Verfügung und wir haben mittlerweile gelernt, mit ihren Macken umzugehen. Viele bereits auch einmal einen Barista Kurs besucht, eine Art Kochkurs für die perfekte Kaffeezubereitung und doch verstehen wir immer noch viel mehr von Wein als vom Kaffee.

Egal ob handgemahlen, cold infused oder zu einem perfekten Cappuccino gestylt, Kaffee bekommt in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit


Wir sind also bestens darauf vorbereitet, auch beim Kaffeegenuss endlich bewusster und nachhaltiger zu werden.


Links:

Kafi Schnaps

Geschichte des Kaffees

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