• Lynn Blattmann

Kafi Schnaps: heimliche Liebe mit Geschichte

Wir lieben ihn heiss, trinken ihn aber nur noch sehr selten und oft mit schlechtem Gewissen. Die Geschichte hinter unserem heimlichen Nationalgetränk.

Geben wir es ruhig zu: Wir mögen ihn, den Kafi Schnaps, oder Kafi Luz, oder Kafi Träsch, oder Kafi Fertig. Wenn etwas so viele Kosenamen hat, dann muss auch Liebe dahinterstecken und ganz viel Geschichte.

Bevor der Kafi Fertig zum Renner am Pistenrand wurde, war das Heissgetränk ein beliebter Muntermacher, der oft auf nüchternen Magen vor dem Frühstück getrunken wurde.

Besonders in den voralpinen Gegenden der Schweiz war der klare Branntwein, wie der Schnaps auch genannt wurde, ein wichtiger Hungerdämpfer und wurde zur Beruhigung von allen Altersgruppen der ärmeren Bevölkerung rege konsumiert.

Der Schnapskonsum war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderten in einigen Gegenden so hoch, dass man von der Branntweinpest sprach, die massive körperliche und seelische Schäden in der ärmeren Bevölkerung hinterliess.

Aus Angst um die Volksgesundheit griff in den 1880er Jahren der Staat ein und begann den Schnapskonsum zu regulieren. Obwohl in der Schweiz erst wenige Jahre vorher die Gewerbefreiheit eingeführt worden war, wurde damals vielen kleinen Kartoffelschnapsbrennern das Handwerk gelegt. Allerdings griff das Gesetz nicht richtig. Während damals nur die Kartoffelschnapsbrennereien im Blick des Staates standen, blieben die Obstbrände noch bis in die 1930er Jahre von Regulierungen verschont. Darum blieb der Schnapskonsum in der Schweiz lange staatlich schlecht kontrolliert und der Alkoholismus war weit verbreitet.

Weil die Pfarrer oft gegen die Schnapstrinkerei anwetterten, wurde verdeckt Schnaps konsumiert. Eine geniale Tarnform für Schnapsgenuss war der Kaffee-Fertig.

Etwas dünner Kaffee mit Zucker und einem Schuss Obstler wurde so zu einem sehr beliebten Getränk das zuhause oder in einfachen Gaststätten rege konsumiert wurde.

Ab den fünfziger Jahren wurde das Getränk zum Signature-Drink an Stammtischen. Es wurde in speziellen industriell gefertigten Pressgussgläsern serviert. Im Zuge der nationalen Skibegeisterung fand es in den sechziger Jahren auch seinen Weg in die Pistenrestaurants.

Inzwischen sind die meisten alten Quartierbeizen geschlossen worden und längst sind andere Getränke viel populärer geworden, nur am Rand der Skipisten wird der Kafi Luz noch serviert.

Es ist bis heute nicht klar, woher der Name Kafi Luz kommt, es ist anzunehmen, dass der Name nicht mit Luzern zusammenhängt, denn dort heisst der Kafi fertig nämlich Kafi Träsch. Mir gefällt die Geschichte, dass der Kafi Luz wegen Luzifer, also wegen dem Teufel so heisst. Es ist tatsächlich ein teuflisches Getränk.

Es schmeckt wahnsinnig gut, fährt diabolisch ein und verführt auch Nichttrinker zum Überkonsum.

Im Moment ist kein Kafi Fertig erhältlich, weil auch die Pistenrestaurants geschlossen sind.

Darum hier das Rezept für den vergessenen Swiss Drink:


1 TL Zucker

1/2 TL Nescafé (oder zweiter Aufguss aus der Kolbenmaschine)

4 cl. Obstler

Auffüllen mit kochend heissem Wasser


Umrühren und geniessen!

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