• Lynn Blattmann

Teigwaren, Convenience Food mit Schweizer Tradition

Vor rund 150 Jahren wurden vermehrt Teigwarenfabriken gegründet zur Herstellung von Trockenteigwaren. Der Konsum blieb jedoch lange tief. Die Schweizer assen lieber Kartoffeln. Dennoch waren die Trockenteigwaren das erste Convenience Food in der Schweiz. Die ersten Sorten kamen bereits in den 1870er Jahren auf den Markt.


Der Weg der Teigwaren auf die Teller der Schweizerinnen und Schweizer war steinig. Erst als mit dem Bau der ersten Gotthardröhre (ab 1880) eine markante Anzahl an Italienern in die Schweiz kamen, stieg der Nudelkonsum zaghaft an.

Allerdings dauerte es noch eine weitere Generation bis die Teigwaren zu einer selbstverständlichen Beilage in der Schweizer Küche wurden.

Im Kochbuch der Emmy Braun für die bürgerliche und feine Küche lassen sich zwar einige Nudelrezepte finden, die meisten entpuppen sich jedoch als Anleitungen für Dampfnudeln, also für Hefegebäcke. Als einzige Trockennudeln werden Maccaroni erwähnt, die man laut Rezept 30 Minuten lang kochen musste.

Nudeln wurden verschweizert

Richtig vorwärts ging es mit dem Nudelkonsum erst als die Nudeln verschweizert wurden. Interessanterweise wurde hierzulande keine der alten Nudelfabriken von einem Italiener gegründet, sie entstanden auch nicht im Tessin, sondern vorwiegend in der Deutschschweiz. Unsere traditionellen Teigwaren tragen Namen wie Bschüssig oder Ernst. Darum erstaunt es nicht, dass die Schweiz eine ganz eigene Teigwarenkultur entwickelt hat.

Mit den Hörnli hat sie sogar eine eigene Form kreiert, die als Käsehörnli Eingang gefunden hat in das Repertoire der schweizerischen Traditionsrezepte. Typisch schweizerisch sind auch die mittlerweile etwas aus der Mode gekommenen Fideli, eine feine, gerade Nudelform für Bouillons, die in der Romandie Bouillon aux cheveux d'anges genant wird.


"Unsere" Buchstabensuppe ist eine amerikanische Erfindung

Bereits in den 1860er Jahren wurde in den USA die Alphabetical Soup erfunden, die Buchstabensuppe. Es ist unklar, ob sie tatsächlich zur Alphabetisierung der Bevölkerung gedacht war, jedenfalls entfesselte sie den Spieltrieb von Millionen Kindern rund um den Erdball. Campbell hat die Buchstabensuppe seit den 1950er Jahren in der Büchse verkauft, damit wurde sie in Amerika zum Kultkinderessen. Hierzulande haben wir die getrockneten Buchstaben mit einem Suppenwürfel aufgekocht und unsere schweizerische Variante daraus gezaubert.


Die Schweiz, ein Teigwarenland

Heute gehört die Schweiz zu den Teigwarenländern, der Konsum ist hierzulande deutlich höher als in Deutschland, Oesterreich oder Frankreich. Wir konsumieren pro Jahr zwar etwas weniger als 2005, damals lag der Konsum noch bei etwas mehr als 10 Kg pro Kopf und Jahr betrug, aber wir essen immer noch ca. 1/3 mehr Pasta als unsere nördlichen Nachbarn.

Heute grosses Angebot und viele Importteigwaren

In den letzten dreissig Jahren ist das Teigwarenangebot in der Schweiz rasant gewachsen. Begonnen hat der Anstieg mit den Frischteigwaren, die ab den 80er Jahren zunehmend auch von Lebensmittelgrossverteilern angeboten wurden, dazu kamen viele importierte Sorten und seit einigen Jahren auch eiweissangereicherte Trockennudeln, also solche mit Linsen-, oder Erbsenmehl und Teigwaren aus älteren Getreidesorten. (Dinkel- und Emmerteigwaren).


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