• Lynn Blattmann

Proteinbomben für den Alltag

Bohnen und Linsen haben jahrhundertelang unsere Mägen gefüllt und und die Menschheit auch in unsicheren und kriegerischen Zeiten mit gesundem Eiweiss versorgt. In der fleischlastigen Küche der letzten Jahrzehnte gingen die gesunden Hülsenfrüchte bei uns jedoch fast vergessen. Ein Plädoyer für die Wiederentdeckung der Linsen und harten Bohnen.

Linsen und Bohnen sind so gesund, weil sie extrem viel hochwertiges Eiweiss enthalten und sehr satt machen, ohne allzu viele Kalorien. In den Linsen steckt garantiert mehr Protein als in Würstchen oder im Speck, es sind ganze 23%. Ausserdem enthalten sie wertvolle Ballaststoffe und Mineralien. Wer Linsen isst, braucht also nicht unbedingt Fleisch.

Dank den Linsen haben wir überlebt

Seit der Steinzeit isst man in unserer Gegend Linsen, oder Lens Culinaris, wie die flachen, runden Ackerfrückte von den Römern genannt wurden. Die unscheinbaren Hülsenfrüchte versorgten uns Menschen seit tausenden von Jahren zuverlässig mit dem bitter benötigten Eiweiss und zwar besonders in Zeiten, in denen das Fleisch rar war.

In den letzten fünfzig Jahren gingen die Linsen in unserer Gegend aber so gründlich vergessen, dass beispielsweise die Alblinsen, die im schwäbischen Raum jahrhundertelang die ärmere Bevölkerung satt gemacht hatte, nicht einmal mehr als Saatgut erhältlich waren. Die Alblinsen waren einfach ausgestorben.

Glücklicherweise hat ein Saatgutsammler vor einigen Jahren in Russland noch einige Säckchen der Samen aufgestöbert und die lokalen Bauern dazu gebracht, die Linsen wieder anzubauen. Dank ihm sind Alblinsen mittlerweile wieder im Laden erhältlich, sogar in Bioqualität.

Da heute immer mehr Menschen versuchen, ihren Fleischkonsum etwas einzuschränken, oder ganz vegetarisch zu leben, kehren die Linsen und Bohnen zögerlich wieder auf unseren Speiseplan zurück.

Allerdings besteht eine gewisse Ratlosigkeit bei der Zubereitung der Linsen oder Bohnen. In traditionellen Rezepten werden Linsen und dicke Bohnen oft mit Geräuchtem gekocht und serviert. Dies passt wenig zum Ziel, mehr Hülsenfrüchte und weniger Fleisch essen zu wollen.

Zugegebenermassen schmecken Linsen mit einem Rauchwürstchen oder einigen Würfeln schwarzgeräuchertem Speck sehr gut und ich kann verstehen, dass man das Fleisch nicht unbedingt nur mit Lauch oder Karotten im Linsengericht ersetzen will, weil damit auch bei mir der Essgenuss etwas verloren geht.

Exotische Linsenrezepte zum Einstieg

Ich habe die Linsen in der indischen Küche wiederentdeckt, dort ist Dahl, also gekochte Linsen, immer noch ein Grundnahrungsmittel, das zusammen mit Reis, Gemüse oder Fladenbroten serviert wird.

Wenn Sie also Lust haben auf herzhafte Linsen ohne Geräuchtes, dann probieren Sie doch ein indisches Rezept für Dahl aus. Mit etwas Curry, Knoblauch, Ingwer und eventuell in Kokosmilch gekocht, wird aus dem etwas faden Essen eine wahre Gaumenfreude.

Es lohnt sich auch beispielsweise eine Linsensuppe nach türkischem Rezept zu kochen, so schmecken Linsen auch ohne Wiener Würstchen!

Wenn Sie Lust auf Bohnen haben, fangen Sie am besten mit frischen dicken Bohnen an (Puffbohnen, Pferdebohnen, Ackerbohnen), die in Italien Fave genannt werden. Mittlerweile findet man sie ab dem Frühsommer sogar bei uns in den Gemüseabteilungen wieder. Die Zubereitung ist etwas aufwändig, aber der Genuss ist garantiert, besonders wenn Sie sich an ein traditionelles italienisches Rezept halten.

Bohnen für Salate verwenden

Die getrockneten harten Bohnen sind etwas anspruchsvoller in der Zubereitung, da sie mindestens eine Nacht lang eingeweicht werden wollen. Feuerbohnen, oder die traditionellen Käferbohnen aus Österreich schmecken aber gekocht und dann im Sommer in einem Salat hervorragend.

Homeoffice und Einweichen passt

Der Zeitpunkt für Hülsenfrüchte ist ideal. Erstens ist das Wetter noch kühl, da mag man herzhafte Speisen besonders und zweitens sind wir dank Home-Office und geschlossener Restaurants eh zuhause, da macht es wenig Arbeit, mal einige Bohnen einzuweichen, oder ein schönes Linsengericht auszuprobieren. Die Gewürzvorräte müssen sowieso aufgebraucht werden, bevor sie wegen Überalterung ihr Aroma verlieren.


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