• Lynn Blattmann

Ein Männlein steht im Walde


Jetzt tauchen sie wieder auf. Plötzlich sind sie da, farbig, giftig, berauschend, oder einfach nur fein. Früher dachte man Pilze seien Pflanzen heute weiss man, dass sie ein eigenes Reich bilden neben den Tieren und den Pflanzen. Es gibt unzählige verschiedene Pilze, einige können Dich rasch töten, andere verschaffen Dir Halluzinationen, die Du Dein Leben lang nicht vergisst und vereinzelte kann man sogar gefahrlos essen, aber nur wenn man sie kennt.

Die Geschichte der Menschen ist mit den Pilzen eng verwoben, die Zukunft auch.


Pilze, die high machen

Allein in den Schweizer Wäldern gibt es etwa 10'000 verschiedene Arten, natürlich gibt es auf der Welt noch viel mehr. Wie viele es sind, weiss man nicht genau, wissenschaftlich beschrieben sind bisher etwa 120'000 Pilzarten. Einige davon enthalten psychoaktive Stoffe, zum Beispiel der oben abgebildete Fliegenpilz. Es ist oft zu lesen, dass die Fliegenpilze früher zu schamanischen Zwecken gegessen wurden. Fakt ist, dass der Fliegenpilz zu den Knollenblätterpilzen gehört und das Gift der Fliegenpilze Magenkrämpfe und heftige Übelkeit verursacht und ganz schlecht dosiert werden kann. Ich würde von solchen Dingen die Finger lassen.


Heilpilze

Schon bevor das Penicillin erfunden wurde, hatte man verwundeten Soldaten schimmliges Brot auf die Wunden gedrückt. Allerdings rettete erst der im 1927 erfundenen Penicillin enthaltene Pilz bis heute Millionen von Menschenleben. Der Penicillinpilz kann aber auch Gorgonzola, denn auch der frische italienische Weichkäse wird mit und Penicillinpilz geimpft, und zwar weil er auch noch gut schmeckt.

Pilze werden für die Medizin zunehmend interessant, den sie bauen gezielt Zellen ab, darum werden sie auch in der Krebsbehandlung eingesetzt.


Die grössten Lebewesen der Welt

Pilze sind zwar oft für das menschliche Auge unsichtbar, aber das grösste Lebewesen der Welt ist ein Pilz. Er lebt in Oregon und erstreckt sich auf 9 Quadratkilometer. Der grösste Pilz der Welt ist ein Hallimasch, wenn er blüht, kann man ihn sogar essen.


Essbare Pilze

Nun spriessen sie wieder, die sichbaren Früchte der Pilze, die sonst das ganze Jahr unter der Erdoberfläche leben. Nach dem nassen Sommer sollte die Ernte besonders gut ausfallen. Das heisst aber nicht, dass Pilze ein wichtiges Nahrungsmittel der Menschen waren.

Früher wurden sie oft getrocknet um dann im Winter als Pulver einer Sauce beigegeben zu werden, oder sie wurden gebraten und als Leckerbissen verzehrt. Als Lebensmittel waren sie in unserer Gegend nicht besonders wichtig, auch in meinen alten Kochbüchern aus dem frühen 19. Jahrhundert kommen sie kaum vor.

Beim Pilzen ist man auf die eigenen Sinne angewiesen, und auf gute Pilzbücher oder Apps. Nur einwandfrei bestimmbare Pilze kann man essen. Es gibt keine Regel, welche Pilze giftig sind, da hilft nur sorgfältigste Bestimmung vor dem Essen mit rigorosem Ausschluss von Verwechslungen. Ich habe mit den Röhrlingen angefangen. Das sind diejenigen Pilze, die ein wenig wie Steinpilze aussehen und unter dem Hut keine Lamellen haben, sondern eine schwammartige Struktur. In guten Pilzjahren gibt es viele Maronenröhrlinge, die scmecken fast so gut wie der oben abgebildete Steinpilz, sie sind aber im Mittelland deutlich häufiger.


Was tun Pilze eigentlich im Wald?

Pilze bauen ab. Ohne Pilze würde das Holz nie verrotten, sie sind es, die Bäume wieder so aufspalten, dass sie von Käfern, Würmern und anderem Getier verdaut werden können. Pilze zerlegen aber auch Fleisch, Brot und Früchte und tote Tiere. Sie tun dies mit ihren unterirdischen Geflechten, dem Myzel, das riesige Ausmasse haben kann. Da die Pilze meist an den Enden eines Myzels entstehen, stehen sie oft in einem Kreis.

Pilze sind so wichtig für unsere Erde wie die Tiere und die Pflanzen, aber da sie die meiste Zeit unsichtbar sind, wissen wir noch wenig über sie.


Kann man Pilze züchten?

Nur wenige Speisepilze können gezüchtet werden, etwa der Champignon, oder der Austernpilz. Im Wald sind sie oft auch an den besten Pilzplätzen nicht zu finden, um dann völlig überraschend anderswo in grosser Zahl aufzutauchen.

Pilze sind geheimnisvoll, sie geben auch erfahrenen Pilzsuchern immer wieder Rätsel auf und das Rüsten selbst gesammelter Pilze verursacht immer etwas Herzklopfen, Pilze sind wild und gefährlich, ganz wie das richtige Leben.



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