• Lynn Blattmann

Suppe, das Überlebensessen


Es ist wieder Suppenzeit. Sobald es kühler wird, verspüren wir die Lust auf eine Schüssel oder einen Teller warmer Suppe.

Suppe ist für uns ein Lustessen geworden, das wir selten essen, etwa dann wenn der Winter kommt oder wenn der Kühlschrank nichts Richtiges mehr hergibt.

Dabei vergessen wir, dass das Suppenessen jahrhundertelang das Überleben der Menschheit sichergestellt hat.

Suppe war lange für viele Menschen in Nordeuropa das Grundessen.

Sie brockten ihr Brot in die Suppe, womit hätten sie das Brot sonst essen sollen? In ärmeren Haushalten gab es, selten Käse und nur wenig Fleisch. Der Suppentopf stand immer auf dem Feuer und wurde laufend mit neuen Zutaten bestückt, statt Foodwaste, gab es damals den Suppentopf. Was irgendwie essbar war, wurde gegessen, zähe Sachen wurden im Suppentopf einfach so lange gekocht, bis sie essbar wurden. Wir können uns allerdings den meist faden und schlechten Geschmack dieser Suppen heute kaum mehr vorstellen.

In schlechten Zeiten wurde die Suppe dünner, so bekamen alle etwas weniger zu essen. Der Hunger wurde quasi demokratisch verteilt.

Das Suppenessen hatte aber noch weitere Vorteile. Dank dem langen Verkochen der Speisen in der Suppe, konnten auch Alte ohne Zähne und kleine Kinder Nahrung zu sich nehmen.

In vielen Gegenden wurde lange auch Alkohol in die Suppe gegeben, es wurde eine sogenannte Biersuppe gekocht. Um dies zu verstehen, muss man wissen, dass das Bier früher eher sauer war und viel rascher verderblich als heute. Indem man in der Suppe Bier mitkochte, wirkte sie besser gegen den Hunger, und Bier hatte einige Kalorien. Alkohol dämpft den Appetit und auch sonst einiges, das in schlechten Zeiten zu Aufruhr führte.

Im 19. Jahrhundert, in der Zeit der Industrialisierung nahm der Alkoholkonsum der Massen nochmals markant zu. Ein Grund lag darin, dass das Suppenessen für viele arme Familien nicht mehr so einfach möglich war.

Weil oft auch die Frauen ausser Haus arbeiteten, konnten sie keine Suppe mehr auf dem Herd haben, oft reichte auch die Mittagszeit nicht zum Heimkommen, sie assen ein kaltes Mittagessen, und die Männer tranken stattdessen ein Bier.

Zum Glück erfand Julius Maggi vor etwas über hundert Jahren den Suppenwürfel.

Suppe wurde damit zum ersten industriell hergestellten Fast-Food, das sich rasend schnell verbreitete.

In meiner Kindheit gab es noch kein Mittagessen ohne Suppe. Die Suppe kam meist aus dem Päckchen und diente dazu, den Magen anzuwärmen, wie meine Mutter meinte. Inzwischen ist auch der Brauch des Suppengangs beim Mittagessen fast verschwunden. Wir essen nur noch hin und wieder edel und mit besten Zutaten hergestellte Spezialitätensuppen. Denken Sie beim nächsten Löffel Suppe an die Geschichte dieser so sozialen Zubereitungsart für Speisen.

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