• Lynn Blattmann

Chilli: Schärfe für Milliarden


Als sich Kolumbus aufmachte, um einen Seeweg nach Indien zu finden, tat er dies, um seinen Geldgebern einen grösseren Profit im Gewürzhandel zu sichern.

Pfeffer, Zimt und Kardamom gab es zwar schon vorher zu kaufen, aber da die Gewürze auf dem Landweg vom fernen Indien kamen, verteuerten sie sich bei jedem Umladen auf dem langen Weg durch Asien. Wenn die Europäer die Gewürze also in Indien direkt einkaufen konnten, so die Idee der Händler, dann könnten sie auch den ganzen Gewinn einstreichen, ohne ihn mit den vielen Gewürzhändlern auf dem Landweg zwischen Indien und Venedig teilen zu müssen.


Chilli statt Pfeffer und Zimt

Die Idee war zwar bestechend, doch leider landete Kolumbus 1492 irgendwo in der Karibik und nicht in Indien. Dort fand er weder Pfeffer noch Zimt. Er entdeckte jedoch, dass die Menschen dort ihr Essen mit einer feuerroten Frucht würzten, die scharf schmeckte. Er hielt sie für eine Art Pfeffer und nahm ausser der stärkehaltigen Knolle, auch von dem vermeintlichen Pfeffer einige Pflänzlein an Bord, um sie seinen Geldgebern zu bringen.

Leider waren seine Financiers von den schönen glänzenden roten Schoten des Capsicums nicht besonders begeistert, denn findige Mönche und Nonnen daheim in Europa hatten rasch entdeckt, dass sich die hübschen Nachtschattengewächse leicht auch in Italien, Spanien oder Frankreich anbauen liessen. Natürlich starb mit der leichten Anbaumöglichkeit in Europa der Traum der Händler vom grossen Geld. Auch die seltsamen Erdäpfel fanden wenig Anklang am spanischen Hof, die Kartoffeln gingen dann erst einmal mehr oder weniger vergessen. Nicht so der Chilli.

In den Mittelmeerländern begann sich der Chilli auszubreiten. Er war viel billiger als Pfeffer und fand in der Volksküche Niederschlag. Es wurden auch viele neue Arten gezüchtet, um den Geschmack der Menschen zu befriedigen.


Afrikas Küche mag Chilli


Chilli verändert die Küche in Afrika

Als Magellan dreissig Jahre später um Afrika herum segelte, um so einen Weg nach Indien zu finden, hatte er Capsicum Samen im Gepäck. Auch die afrikanischen Bauern entdeckten die geschmacklichen Vorzüge der scharfen Schoten rasch, sie begannen ihn selbst anzubauen und damit zu kochen. Von Westafrika verbreitete sich der Chilli über den ganzen Kontinent, auch aus der afrikanischen Küche ist der rote Scharfmacher seither nicht mehr wegzudenken.

Ohne Chilli nicht vorstellbar: die Indische Küche

Die Inder lieben Chilli

Als Magellan oder einer seiner Nachfolger schliesslich in Indien ankam, musste er immer noch einige Samen im Gepäck gehabt haben. Der Chilli war in Indien bis dahin völlig unbekannt, die Samen aus der Karibik gediehen aber auch in Indien prächtig. Chilli passte hervorragend zu den bereits vorhanden Gewürzen und wurde sofort in die lokale Küche integriert. Heute ist Capsicum in der indischen Küche omnipräsent, er ist ein wichtiger Bestandteil des Currys.

Auch in Indonesien und Thailand fielen die roten Schoten begeisterten Köchinnen in die Hände, die daraus so unvergessliche Gerichte zauberten, für die wir die südostasiatische Küche bis heute lieben.


Gut integriert bei den Chinesen: Chilli


Chilli verbreitet sich über die Seidenstrasse

Von Indien aus, verbreitete sich der Chilli über die Handelswege des Pfeffers nach Osten. Auch die Chinesen waren ob der feurigen Schärfe des Nachtschattengewächses entzückt und bauten den Chilli in ihre traditionelle Küche ein.

Auch die Türken fanden Gefallen am Chilli, sie bauten ihn selbst an und setzten ihn auch in ihrer Küche ein. Pul Biber, getrockneter Chilli mit Salz, ist ein wichtiges Gewürz in der Türkischen Küche geworden.


Auch Peperoni ist eine milde Form des Paprikas (Bild Peter Schneider, Unsplash)


Wie Paprika nach Ungarn kam

Gulasch und Paprika gehört heute so stark zu Ungarn, dass man denkt, die Ungaren hätten das Paprika erfunden. Das war aber nicht so. Als die Türken 1526 Ungarn besetzten, hatten sie bereits Paprika im Gepäck ihrer Soldatenküche. So kamen die roten Schoten in die Puszta, wo sie bis heute in unterschiedlicher Schärfe angebaut werden und längst zur Nationalküche gehören.


In der Schweiz wird Paprika nur wenig verwendet, am ehesten zu Raclette


Und bei uns?

Wir sind chilliresistent! Während die Italiener die Spaghetti al oglio, aglio e peperoncini erfunden haben und sie auch ihre Penne mit Chilli so richtig arrabiata machen, blieben die Schweizer dem Chilli gegenüber seltsam indifferent. Wir essen zwar seit Betty Bossi auch Chilli con Carne und haben brav zwei Gewürzgläschen mit Paprika im Schrank (scharf und mild), aber wir brauchen das rote Pulver kaum. Ausser vielleicht für die Marinade beim Grillen oder in kleinen Mengen auf dem Raclettekäse. Die Schweizer Küche würzt immer noch mit schwarzem Pfeffer und Salz. Mittlerweile ist das Aromat als Lieblingsstreuwürze etwas aus der Mode gekommen, aber wir würzen immer noch wenig mit dem roten Pulver. Gerade jetzt, wo die Tage etwas grauer und dunkler werden, würde aber auch uns etwas Hot Chilli Pepper im Essen ganz gut tun.

Falls Sie immer noch unsicher sind, wie man Chilli richtig verwendet, schauen Sie bald mal wieder auf unserem Foodblog vorbei, ich werde dazu nächstens einige Rezepte posten.


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